Beweringen

Ein abgelegenes kleines Dorf im Kreis Saatzig

Beschreibung von Volker Ernst

Mein Vater wußte schon seit meiner Kindheit über seinen Geburtsort Beweringen im Kreis Saatzig zu berichten. Dieser Ort sollte im heutigen Polen liegen und vor dem zweiten Weltkrieg zu Pommern gehört haben. Mehr erfuhr ich erst, als es mein Vater im Jahr 1980 nicht mehr aushielt und sich entschied, noch einmal seinen Heimatort zu besuchen. Im Sommer jenen Jahres verbrachten wir also unseren Urlaub in Pommern und fanden Beweringen südwestlich von Freienwalde am Ende einer wunderschönen Kopfsteinpflasterallee. Der Hof meiner Großeltern existiert noch, die Bausubstanz ist völlig unverändert. Die Zwischenzeit hat jedoch ihre Spuren an den Gebäuden hinterlassen. Die polnischen Besitzer begrüßten uns sehr herzlich, was uns zu weiteren Besuchen in den Jahren 1991 und 1993 ermutigte.

Angeregt durch die Besuche in Beweringen, versuchte ich in den 90er Jahren Informationen über meine Vorfahren aus Pommern zu erhalten. Die Quellenlage erwies sich jedoch als äußerst schwierig. Viele Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen waren im Krieg vernichtet worden. Daher begann ich 2003, einige ehemalige Bewohner von Beweringen zu besuchen, um Licht in das Dunkel meiner Familiengeschichte zu bringen. Bei den geführten Gesprächen erhielt ich neben dem Gewünschten sehr viele Auskünfte über das Dorf Beweringen selbst. Inzwischen sind so viele Informationen über Beweringen zusammengekommen, dass es sich lohnt, sie hier knapp darzustellen.

Zu besonderem Dank bin ich den Herren Kurt Haese, Hermann Scheider und Paul Schulz † verpflichtet. Ohne deren tatkräftige Unterstützung wäre dieser Bericht nicht zustande gekommen. Herr Haese hatte bereits vor Jahren einen ersten Ortsplan von Beweringen erstellt. Von Herrn Scheider stammt eine anschauliche Schilderung der Flucht. Das Buch „Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard“ von Paul Schulz bildet die Basis dieses kurzen Aufsatzes.

Beschreibung des Ortes

Die Gemeinde Beweringen (heute Bobrowniki), im Nordosten des ehemaligen Kreises Saatzig, liegt etwas abseits der vormaligen Reichsstraße 158 (heute Straße 149), die von Stargard über Freienwalde (heute Chociwel) bis Wangerin (heute Węgorzyno) führt. Beweringen ist ein Nachbarort von Schönebeck (heute Dzwonowo) und Rossow (heute Rosowo), er ist von Freienwalde 7 ½ km und von Stargard 20 km entfernt. Die Gemeinde gehörte zum damaligen Amtsbezirk Kannenberg (heute Kania), wo sich auch das Standesamt befand. Das zuständige Amtsgericht war in Stargard. Die folgenden beiden Fotos zeigen die Dorfstraße vom Kirchhügel aus gesehen und die südliche Ortseinfahrt im Oktober 2003.

Das Dorf liegt in einer leicht hügeligen Landschaft, der westliche Teil der Gemarkung von Beweringen wird von einer tiefer liegenden Wiesen- und Moorlandschaft begrenzt. Im Süden wird die Gemarkung Beweringen von der ehemaligen Reichsautobahn Stettin – Danzig – Königsberg berührt, deren obere Decke infolge des Krieges jedoch nicht mehr fertig wurde.

Beweringen in ein klassisches Straßendorf, wie sie in den Gebieten der mittelalterlichen Ostkolonisation des 12. und 13. Jahrhunderts oft entstanden. Es handelt sich dabei um eine doppelzeilige Dorfanlage, bei der Häuser oder Gehöfte in dichter Weise entlang einer Straße aufgereiht sind. Etwa in der Mitte der ursprünglichen Siedlung befindet sich ein von drei großen Eichen beschatteter Dorfplatz. Er ist auf der folgenden Aufnahme vom Oktober 2003 zu erkennen.

Wie die Mehrzahl der pommerschen Dörfer mußten sich die im Mittelalter in Beweringen angesiedelten Bauern einem pommerschen (wendischen) Adeligen unterstellen. Alle Bauern waren ihm gutuntertänig, d.h. sie mußten einen Zins für ihre Hofstelle an den jeweiligen Gutsbesitzer, als ihren Lehnsherrn, zahlen. Die Vergabe von Gütern und Dörfern vom Deutschen Orden und später von der Landesherrschaft bzw. dem König als Lehen war üblich. Die Lehnsherren waren meistens Ritter, die dem Orden in Kriegszeiten beigestanden hatten und denen der Orden den gebührenden Sold oder sonstige Schulden nicht zahlen konnte.

In den Jahren 1779-1784 veröffentlichte Ludwig Wilhelm Brüggemann als königlich preußischer Konsistorialrat und Hofprediger an der Schlosskirche zu Stettin in seinem Werk „Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern“ eine erste genaue Darstellung des Landes Pommern. Der zweite Band aus dem Jahr 1784 trägt den Titel „Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königlichen Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise“. Darin wird Beweringen wie folgt dargestellt:

Beweringen, eine ¾ Meile von Freyenwalde südwestwärts, hat 2 Ackerwerke, 9 Bauern, 1 Predigercolonus, welcher eine Hufe hat, 1 Coßäthen, 1 Schmiede, 1 Krug, 1 Schulmeister, 25 Feuerstellen, eine zu der Freyenwaldschen Synode gehörige Kirche, welche ein Filial von Rossow ist, einen hohen sandigen Boden, welcher aber vortrefflichen Roggen hervorbringt, wenige Eichen und junge Fichten, und lieget zwar in dem Wedelschen Kreise, gehöret aber zu dem Fürstenthum Cammin. Es ist ein altes Wedelsches Lehn, welches ehemals aus 3 Antheilen bestand. Nach dem Tode des Landraths Curt Wilhelm von Wedel verglichen sich seine Söhne Ernst Balthasar und Curt Wilhelm von Wedel am 16 Januar 1738 also, daß ein jeder einen Theil bekam. Der erste hinterließ einen einzigen Sohn, Julius Heinrich Ernst von Wedel, welcher nicht nur den väterlichen Theil, sondern auch denjenigen Theil, welchen sein Vaterbruder Curt Wilhelm von Wedel beseßen hatte, als der nächste Lehnsfolger erbte, und beide Theile nach dem Vergleiche vom 22 Dezember 1767 erblich dem Domherren Lupold von Wedel verkaufte. Diesem war auch der dritte Theil dieses Guts, welchen seine Mutter, die Witwe des Melchior Magnus von Wedel, Libica Wilhelmina Elisabeth von Wedel beseßen hatte, nach ihrem Tode von seinen Brüdern am 20 Junius 1763 mit zwei Winspel Mühlenpächten aus Sassenhagen überlassen worden, so daß er das ganze Gut Beweringen bekam, welches jetzt nach seinem 1779 erfolgten Tode seine 3 nachgelaßenen Kinder besitzen.

Laut der am 17. Mai 1939 durchgeführten Volkszählung gab es in Beweringen damals 84 Haushalte mit 525 Einwohnern. Davon waren 371 männliche und nur 154 weibliche Bewohner. Es waren 113 Jugendliche bis 14 Jahren in der Gemeinde. 287 Bewohner arbeiteten in der Landwirtschaft der Dorfgemeinde und 148 waren als Handwerker tätig. Es gab 49 Bauernstellen bis zu 20 Hektar sowie sieben bis zu 10 Hektar und sieben landwirtschaftliche Betriebe zwischen 20 und 100 Hektar.

Die Einwohner Beweringens übten um 1940 größtenteils landwirtschaftliche Berufe aus. Der letzte Bürgermeister der Gemeinde war der Bauer Reinhold Lenz. Als Volksschullehrer war bis zu seinem Tode mein Urgroßvater Karl Ernst tätig. Bis zum Kriegsende trat Friedrich Karl Dreier seine Nachfolge an. Bis Anfang 1930 betrieb August Scheider mit seinem Sohn Ernst die Dorfschmiede. Nach der Auflösung des Gutes übernahm der Schmiedemeister des Gutes, Wilhelm Degener, die Dorfschmiede. Die Stellmacherei leitete der Stellmachermeister Gustav Steffe. Otto Haese war der Schuhmachermeister des Ortes. Der Dorfbäcker war der Bauer Edmund Asmus. Der Kaufmann Johannes Kammrath betrieb eine Haushalts- und Materialwarenhandlung. Die Gastwirtschaft leitete Otto Grunewald. Als Nachtwächter war Wilhelm Zubke tätig. Die Poststelle für Beweringen befand sich in Voßberg, von wo Karl Fähnrich die Post ausfuhr. Das bis 1932 von Rittmeister Georg Thomas bewirtschaftete Gut befand sind am damaligen nordöstlichen Ausgang des Dorfes. Beweringen war im vorletzten Jahrhundert ein Jagdgut. Das im 18. Jahrhundert erbaute Forsthaus lag am Weg nach Freienwalde mitten im Wald. An dessen Giebel stand B(aron). v(on). Crosik. Erich Kutz war hier der letzte Förster. Die folgenden beiden Bilder zeigen das Forsthaus vor und nach seiner Erweiterung.

Die folgende Postkarte zeigt von oben links nach unter rechts das später in ein Landjahrlager umgebaute Gut, die Dorfschule, die Haushalts- und Materialwarenhandlung sowie die Kirche.


Bau der Reichsautobahn

Wie bereits erwähnt findet die Gemeinde Beweringen im Süden durch die bis 1942 im Bau befindliche Reichsautobahn Stettin – Danzig – Königsberg ihre Grenze. Der nebenstehende Kartenausschnitt zeigt deren Streckenverlauf in der Gegend um Freienwalde.

Die Reichsautobahn war in ihrer ganzen noch zur Ausführung gekommenen Länge zweibahnig geplant, wie die heute noch existierenden Brückenbauwerke zeigen. Von der heutigen Bundesgrenze zu Polen wurde das 2,7 km lange Teilstück bis zur Anschlussstelle Stettin-Süd im Jahre 1936 eröffnet, es folgten die Abschnitte zwischen den Anschlussstellen Stettin-Süd und Hornskrug/Bäderstraße (26,6 km) im Jahre 1937, Hornskrug/Bäderstraße und Hornskrug (1,3 km) im Jahre 1942 sowie Hornskrug und Stargard in Pommern (19,7 km) im Jahre 1942. Vom letzten Abschnitt wurde nur noch die südliche Fahrbahn fertiggestellt, die später verlängert als heutige Straße 142 bei Voßberg auf die Straße 149 mündet. Die folgenden Bilder zeigen die Baustelle der Reichsautobahn in Blickrichtung Osten zwischen den Orten Beweringen (links) und Schönebeck (rechts) im Jahre 1939 und dieselbe Stelle im Oktober 2003.

Den Grunderwerb zum Bau der Reichsautobahn wickelte die „Oberste Bauleitung Reichsautobahnen Stettin“ ab. Diese handelte mit den betroffenen Grundstückseigentümern Entschädigungsverträge aus. Mein Großvater Paul Ernst gehörte zu diesem Personenkreis. Gemäß Vertrag vom 17.04.1941 übereignete er der Gesellschaft zum Bau der Reichsautobahn 9.700 Quadratmeter im Wert von 1.455,00 Reichsmark (RM). Als Entschädigung erhielt er dafür eine Grundfläche von 12.500 Quadratmetern mit einem Wert vom 1.500,- RM und eine einmalige Entschädigung von 360,00 RM für Wirtschaftserschwernisse. Den Differenzbetrag der Grundstücke von 45,00 RM musste mein Großvater mit 4% jährlichen Zinsen zurückzahlen.

Während des Baus der Reichsautobahn gab es in Beweringen zwei Reichsautobahnlager, die den Bauarbeitern als Langzeitunterkunft vor Ort dienten. Das östliche Lager lag mitten im Wald. Das südwestliche Lager befand sind auf einem unmittelbar an der Baustelle befindlichen Feld, dass die Flurbezeichnung „Mössing“ hatte. Es ist auf der vorigen Postkarte abgebildet.

In seinem Buch „Reichsautobahn – Schönheit – Natur – Technik“ stellt Arend Vosselman die Betreuung der Reichsautobahnarbeiter wie folgt dar:

Nach Baubeginn konnten die vielen Autobahnarbeiter ihre Arbeitsstelle zunächst meist von zu Hause aus erreichen. Mit dem raschen Fortschreiten der Bauarbeiten und aufgrund der immer größer werdenden Entfernung der Baustellen von Städten und Ortschaften sah man sich gezwungen, einen erheblichen Teil der Arbeiterschaft in Wohnlagern unterzubringen. Als die Bauunternehmen 1934 die ersten Wohnlager für Reichsautobahnarbeiter erstellten, lagen kaum Erfahrungen in der Unterbringung von Menschen in Wohnlagern vor. Die Unternehmen legten bei der Übernahme von Aufträgen das Hauptgewicht auf die Bauausführung, also mehr auf die fachgerechte Erledigung als auf soziale Gesichtspunkte und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, was zu Klagen Betroffener Anlaß gab. Dies war der Grund, weshalb der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Fritz Todt, in einem Aufruf vom 11. Oktober 1934 den „Arbeitskameraden“ versicherte, für ihre Belange einzutreten und für ordentliche Unterkünfte und Verpflegung zu sorgen.

Am 13. Dezember 1934 erließ Hitler das „Gesetz über die Unterkunft bei Bauten“. Paragraph 1 dieses Gesetzes formulierte ganz klar: „Werden auf einer Baustelle Arbeiter beschäftigt, die keine eigene leicht erreichbare Unterkunft haben, so hat der Unternehmer Schlaf- und Aufenthaltsräume bereitzustellen, die die Arbeiter gegen Gefahren für die Gesundheit, insbesondere gegen Unbilden der Witterung, schützen, eine angemessene Unterkunft ermöglichen und die Arbeitsfreude erhalten.“

Ab jetzt galt es also, dem Bauarbeiter nicht nur ein Unterkommen, sondern vielmehr eine Heimstätte zu bieten, in der er die Trennung von seinem Heim und seiner Familie nicht so stark empfand. Dafür entwarf das Sozialamt der Deutschen Arbeitsfront (DAF), in Gemeinschaft mit dem Amt „Schönheit der Arbeit“ „musterhafte“ Wohnbaracken für Reichsautobahnarbeiter, die von der DAF mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Reichsmark gebaut wurden.


Aufsiedelung des Gutes

Anfang der 30er Jahre war das Beweringer Gut hoch verschuldet und brachte keine ertragreichen Ernten mehr ein. Nach dem Tode des letzten Gutsbesitzers Rittmeister Georg Thomas, wurde das es im Jahre 1932 aufgesiedelt. Die Pommersche Siedlungsgesellschaft mit Sitz in Stettin richtete 46 Neubauernhöfe in Größen zwischen 6,33 und 36,10 Hektar ein.

Die Aufsiedelung des Gutes fiel in die Zeit der großen Weltwirtschaftskrise. Allein in Deutschland waren damals über sechs Millionen Arbeitslose gemeldet. So brachte das Bauprogramm zur Parzellierung des Gutes und zur Errichtung der neuen Höfe vielen Handwerkern in der Region die notwendige Arbeit. Aus Freienwalde waren die Baufirma Franz Marten, die Maurerfirma Albert Marten sowie der Zimmermeister Ziebel mit seinem Betrieb an den Baustellen tätig. Die Brunnenbauarbeiten für die einzelnen Siedler führte die Tiefbaufirma Lange durch.

Die Leitung des Projektes hatte ein Herr Schwenn, der während der Bauarbeiten im „Beweringer Schloß“, wie das Gut auch bezeichnet wurde, wohnte. Zu dieser Zeit wurde der alte Teil des Schlosses abgebrochen, die Steine wurden zum Wegebau verwendet. Den neuen Teil und die dazugehörige Landwirtschaft kaufte Willi Krüger aus Voßberg. Die Räume im Schloß wurden als Landjahrlager für Jugendliche genutzt. Heute ist das Gut vollständig verschwunden und durch einen Zweckbau ersetzt worden. Die folgenden beiden Bilder zeigen das Gut um 1930 und die gleiche Stelle im Oktober 2003.

Zeitgleich mit der Auflösung des Gutes wurde von Voßberg her eine feste Straße angelegt, auf der das notwendige Baumaterial heran transportiert werden konnte. Insgesamt gab es Ende 1930 neben den durch die Aufsiedelung des Gutes entstandenen Neubauern weitere 25 Altbauern.

Die Aufsiedelung des Gutes ist auch aus den Angaben in „Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher – Band I – Pommern“ der Jahrgänge 1928 und 1939 ersichtlich. Hier ist 1928 nur das Gut des Rittmeisters Thomas verzeichnet, wie folgender Auszug zeigt.

Der Jahrgang 1939 des Adreßbuches hat als wichtigste landwirtschaftliche Betriebe die folgenden sechs Besitzer erfasst. Auffallend ist, dass es sich hierbei ausschließlich um Altbauern handelt.

Weitere Adressbücher aus der Vorkriegszeit liegen derzeit leider nicht vor, so dass auf weitere Ausführungen verzichtet werden muss.

Kirche

Die Gemeinde Beweringen gehörte zusammen mit dem Nachbarort Sassenburg zum evangelischen Kirchspiel Rossow. Da die Pfarrstelle in Beweringen gegen Kriegsende nicht mehr besetzt war, wurde das Kirchspiel Rossow durch Pfarrer Holtz (* 01.09.1884 †10.04.1976) aus Schönebeck betreut. Tochterkirche von Schönebeck war Voßberg, so dass Pfarrer Holtz fünf Kirchen zu betreuen hatte.

Die Kirche steht in der Mitte des Ortes auf einem Hügel, der von Süden her in den Ort hineinragt. Die Kirche ist ein rechteckiger Findlingsbau aus dem 17. Jahrhundert. Sie hat einen freistehenden Holzturm mit zwei großen Glocken. Unmittelbar neben dem Gotteshaus befindet sich der Friedhof. Die folgenden Bilder zeigen die Kirche und den in den letzten Jahren entkrauteten und wieder freigelegten alten deutschen Friedhof im Oktober 2003.

Für familienkundlich Interessierte sei an dieser Stelle ein Artikel aus der Zeitschrift „Pommersche Sippenforschung – Familiengeschichtliche Mitteilungen und Vereinsnachrichten der Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde in Stettin, 8. Jahrgang, Heft 2, September 1940“ im originalen Wortlaut wiedergegeben:

Zur bäuerlichen Familienforschung

in Beveringen und Rossow, Kr. Saatzig, von 1500-1700.

Von Otto Neumann, Stargard i. Pom.

Beveringen.

Die Kirchenbücher von Rossow beginnen 1689. Folgende Schriften reichen aber noch weiter zurück: Visitation und Inventarien der Kirchen in Rossow, Beveringen und Sassenburg 1564, Kirchenmatrikel von 1605, das Kirchenrechnungsbuch von 1573.

Die Matrikel von 1564 enthält Namen der Kirchenvorsteher, der Kirchenschuldner und verschiedener Zeugen aus dem Dorfe. Das Kirchenrechnungsbuch führt die Einnahme der Leichengelder auf, leider ist nur immer der Name des Mannes oder des Vaters angegeben. Beveringen hatte im 18. Jahrhundert 2 Ackerwerke, 9 Bauern, 1 Kossäten, 1 Schmied, 1 Krüger, 1 Schulmeister. Da vor 1800 fast immer hörige und keine freien Einwohner in dem Dorfe waren, so ist anzunehmen daß die vor 1600 erwähnten Einwohner zu bäuerlichen Familien gehören, die schon durch verschiedene Generationen dort gewohnt haben. Es ist ferner anzunehmen, daß wohl fast jede Familie bei den zahlreichen Aufführungen Erwähnung findet.

Matrikel 1564:

Georges Brune (auch Braune) ist Kirchenvorsteher und über 50 Jahre alt. Zur Klärung der Besitzverhältnisse der Pfarrhufen muß er ein Zeugnis ablegen; es ist darum anzunehmen, daß er aus B. gebürtig ist; geboren um 1515. – Jochim Köne (auch Köhne) „der olde“, Kirchenvorsteher, über 60 Jahre alt, also um 1500 geboren; auch er muß über die Pfarrhufen zeugen. – Jürgen Struck (auch Strauch). Sie sind alle Wolf von Wedels Mannen. – Faustin Ebert, des Dinnies von Wedels Mann, 40 Jahre. – Der junge Jochim Köne, 47 Jahre, muß auch zeugen. – Jochim Uckel; beide des Magnus von Wedels Mannen. – Hans Köne; dessen Vater hat schon lange Jahre die Pfarrhufe gehabt; vor ihm hat sie Gutzemin bewirtschaftet.

Als Kirchenschuldner werden genannt: Ertmann Havemeister, Jacob Lentze und Hartwig.

Als weitere Zeuge über die Pfarrhufen werden aufgeführt: Ernst Köhne über 55 Jahre, Paul Spiegel über 60 Jahre, Jochim Hartwig über 40 Jahre, Georg Strauch (s. o.) über 40 Jahre. Von dem Geschlecht der Köne werden 4 Mitglieder genannt.

Matrikel 1605:

Es werden folgende Kirchenschuldner angegeben: Gorges Block, Hans Kohne, 1635 schuldet für ihn Thim Völker, Asmus Dröse, der noch 1635 lebt, Bernt zum Steinhöfel, Marten Ucke, Jacob Kohne wegen seines Vaters Schuld, Ertmann Havemeister (s. o.), die er wegen seines Vaters zu zahlen angenommen, 1635 auf Jacob Havemeisters Hof, Gorges Brune, so sein Vater schuldig, Hans Brasser (Brüssow), so er für Broß Havemeister angenommen, 1635 auf Thim Havemeisters Hof, Marten Uckel, Broß Heine, der1635 zum Zeinigk wohnet, Tewes Jägern (!) wohnet 1635 als Verwalter in Voßberg, Gorges Dröse, sein Sohn Asmus lebt noch 1635, Ewald Mellentin zu Woltersdorf, Paul Havemeister, Unverworrens Witwe, Marten Hartwig, Asmus Dröse (s. o.) wegen seines Vaters Claus Dröse, 1635 wird die Schuld Buddens wüsten Hofe angegeben, Thim Böddeker, 1635ist die Schuld auf Peter Böddekens Hof, Michel Wegner.

Das Kirchenrechnungsbuch führt von 1573–1689 folgende Namen auf:

1573

Hans Luchte, Jochim oder Bane Krisen (auch Krusen), Bolten Frauve, Jürgen Luchte, Franz Kurth.

1574

Franz Burkenhagen, Hans Krisen.

1576

Jasper Hartwich, Jasper Leuve (später Leu oder Lau), Brandes Söhne.

1583

Hans Pragen.

1613

die alte Paul Wichmannsche, Paul Wichmann, David Matze, Hartwich, Simon Grunenberg.

1613–1657

sind keine Eintragungen erfolgt.

vor 1657

Thim Röckers, Martin Rienow, Jochim Blockes.

1657

Martin Karow, Martin Franke, Löwe, Pansicke, Jacob Tesch stirbt ein Kind.

1659

Hans Spaleske (?) (Valeske daraus später Valske und Völzke), Röke.

1660

Jürgen Brunnen, Jochim Köhnen.

1661

Jürgen Franke stirbt ein Kind, ebenso 1663.

1663

Die Kirchenvorsteher haben den Kirchenacker an einen Freimann Berthold Krullen vergeben, er verläßt aber bald Beveringen.

1664

Rönnespieß.

1665

Ertmann Reecke, Jürgen Riemer, Ertmann Blocke, Jürgen Riemer.

1666

Martin Wetzel stirbt ein Kind, Andreas Riemer stirbt die Frau.

1667

Franz Braune stirbt die Frau.

1668

Andreas Cramers, Peter Hennings, Marien Carstens.

1669

Ertmanns Blockes Frau stirbt.

1670

Jürgen Riemers Frauen Mutter stirbt, Trina Riemers stirbt, Claus Sterneberg stirbt, Hans Phaleske stirbt ein Kind.

1672

Jochim Köhnen stirbt die Frau, Jürgen Köhnen stirbt ein Kind.

1673

Schulz Jacob Braun, Martin Franke Tochter stirbt.

1674

Rönnespießens Frau stirbt, Jürgen Frankes Kind stirbt.

1675

Jochim Köhne stirbt, Michel Velzkowen stirbt ein Kind, Michel Hartkens stirbt, Martin Brune.

1676

alte Tesche, Jürgen Köhne.

1677

Jacob Tesche, Jochim Vollert, Andreas Fischer, Trina Gallen.

1678

Christian Block stirbt, Jürgen Brune.

1679

Martin Wetzel, Daniel Schwerin, Paul Krenigke stirbt ein Kind, Christian Brune stirbt ein Kind.

1680

Peter Wenspel sterben Frau und 2 Kinder.

1682

alte Teschesche stirbt, Jürgen Franke stirbt ein Sohn.

1685

Erdmann Vollert stirbt, Jochim Vollert stirbt, Jürgen Köhne stirbt, Jacob Brunen stirbt, alte Eckertsche stirbt, Schalowen stirbt ein Kind.

1686

Jochim Vollert, Andreas Eilger, Hack, Cath. Halle (Kalle?)

1688

Jürgen Grünewald, Christian Grünewald.

1689

beginnen die Kirchenbücher und bringen den Anschluß bis in unsere Zeit.

 

Die Mitglieder des Braunschen (oder Brunen) Geschlechtes und des Köhnengeschlechtes lassen sich von 1500 bis 1700 in Beveringen nachweisen.

Rossow.

Die beiden in Frage kommenden Kirchenmatrikeln reichen bis 1564 und 1605, das Kirchenrechnungsbuch bis 1649 und die Kirchenbücher bis 1689 zurück.

Die Kirchenmatrikel von 1564 bringt folgende sippenkundliche Aufschlüsse:

1564

ist Joachimus Wegner Pastor, gebürtig in Freienwalde, ist bei zweien Jahren Prediger in Rossow gewesen, bei drei ... (ßig) Jahren ungefähr alt, hat zu Greifswalde und Wit...(ten)berg studieret, ist zu Freienwalde und Greifenberg Schulmeister gewesen, ist von den Herren von Wedel als Patronen zum Predigtamt vocieret. Als seine Vorgänger werden genannt: Pastor Jochim Burmester, Johann Huvemeister, derenVorgänger Bartholomäus Zimmermann, hat in Freienwalde gewohner, da er ein „vicarius“. Valentin Krusen, des Dinnies von Wedeln Bauer, Franz Gutzemin, Hans Ringehand, beide des Daniel von Wedeln Bauern, Laferenz Gustemin, Jochem Schmidt, beide Kirchenvorsteher. Genannt werden noch Thewes Rubenow, der Pötter Peter Lüdecke in Freienwalde, Michel Uckelmann, Pastor in Wangerin. Als Zeugen über die früheren Besitzverhältnisse der Rossower Pfarrhufen werden folgende Personen verhört: Franz Gustemin bei 50 Jahren, Franz Rosenow bei 29 (!) Jahren, Jochem Schmidt bei 40 Jahren, Jopp (!) Lüder bei 53 Jahren, Hans Luchte bei 54 Jahren. Müller ist Klaus Sucko. Ferner: Hans Rosenow Witfrau über 60 Jahre alt, Dinnies Luchtes Ehefrau Barbara bei 26 Jahren, sie und ihre Eltern sind in Rossow erzogen, der Krüger Lukas Lüder, der „olde“ Hans Nickel, Küster ist Jürgen Körner, er wohnt in Freienwalde. Erwähnt wird auch noch des Klaus Brandes Hof.

1605

sind Thewes Lüder und Thomas Brüssow Kirchenvorsteher. Als Kirchenschuldner werden aufgeführt: Thim Stevenhagen, Dinies Ringehand, Jakob Dröse, Paul Wichmann, 1635 hat Thim Stahlkop die Schuldsumme, Gorges Schmidt, 1635 hat Matren Dröse die Summe,vor 1615 Broß Luchte, sein Hofnachfolger 1605 ist Max Schulze. Peter Schmidt, Jacob Dröse wegen Valtin Krusen, Wilhelm Ringehand wegen Hans Schulten, Jürgen Wilcke, Paul Gustemin, Jacob Gustemin modo Jochem Nigemann (Neumann), Valentin Streichell, Paul Weimann, wegen Thewes Baldermann.

 Das Kirchenrechnungsbuch führt von 1649 bis 1688 folgende Personen auf:

1649

Paul Ebert, Görges Ladewich.

1650

Bierhals stirbt ein Kind, Thim Stavenhagen stirbt ein Kind, Böldeken stirbt die Frau.

1652

Paul Neumann zahlt Kirchenstrafe, Hinze die Landpacht.

1655

Liese Hintze zahlt Bußgeld, Dinnies Brüssow stirbt ein Kind, Jochim Rovenhagen stirbt, Jürgen Schmidt stirbt ein Kind, Jürgen Borken auch ein Kind.

1657

Kirchenvorsteher Martin Hartwich wird von den Polen niedergeschlagen.

1658

Jochim Burmeister stirbt.

1659

Ladewich stirbt.

1660

Böldeken stirbt ein Kind.

1662

Jürgen Ladewig stirbt ein Kind, Anna Brüssow stirbt.

1663

Hans Manfratzin stirbt, Martin Drösesche.

1664

Bierhals stirbt.

1666

Dinnies Brüsow sterben 2 Kinder, Urban Böldecke stirbt ein Kind.

1667

Valentin Krüger zahlt Bußgeld.

1681

Franz Rosenow stirbt ein Kind, Christian Rißenweber stirbt, Paul Stavenhagen stirbt die Frau, Mewes Stavenhagen sterben 3 Kinder, die alte Hinzsche stirbt, Jochim Detmers stirbt ein Kind, Schmied stirbt die Frau, Bölkes Schwiegermutter stirbt, Hans Marten stirbt die Frau, Thielken stirbt die Frau.

1685

Frömmigken stirbt, Hans Martens Schwiegermutter stirbt, Falken stirbt ein Kind, es sterben Peter Kieselbach, Dieß Brüsow Tochter Maria, Jacob Rosenow, dessen Bruder Christian Rosenow, Michel Bölke, Christian Geringk, Jochim Detmer, Christian Döpke, Michel Rückfohrt, Erdmann Rosenow, Jacob Geringk, dessen Sohn Daniel Geringk, Engel Lassen, Verwalter Milbradt.

1686

Kehnbaum stirbt.

1689

schließen sich die Kirchenbücher an, die bis in unsere Zeit führen.

 Die Familien Rosenow und Schmidt lassen sich von 1500 bis 1700 in Rossow nachweisen.

Soweit die „Pommersche Sippenforschung“. Es sei erwähnt, dass die o.g. Kirchenbücher von Rossow in Folge des Zweiten Weltkrieges untergegangen sind. Im Vorpommerschen Landesarchiv in Greifswald lagern lediglich noch die Zweitschriften der Rossower Tauf-, Trau- und Beerdigungsregister der Jahre 1821-1874. Diese mussten damals von den Pfarrern erstellt und den preußischen Standesämtern als amtliche Standesunterlagen zur Verfügung gestellt werden.

Schule

Die Kinder des Dorfes wurden von meinem Urgroßvater Karl Ernst bis zu dessen Tode am 19.04.1941 unterrichtet. Privat widmete er sich seinem Hobby der Bienenzucht und half nach Kräften auf dem Hof seines Sohnes mit. Das nebenstehende Foto zeigt ihn im Hof der Beweringer Schule an seinen Bienenhaus.

Sein Nachfolger und damit der letzte Volksschullehrer von Beweringen war Friedrich Karl Dreier. Drei Schulbilder aus Beweringen haben die Jahrzehnte überdauert. Sie stammen aus den Jahren 1933, 1929 und Anfang 1920. Leider sind nur wenige Schülernamen bekannt.


Volksschulklasse Beweringen, Kreis Saatzig 1933


Volksschulklasse Beweringen, Kreis Saatzig 1929


Volksschulklasse Beweringen, Kreis Saatzig Anfang 1920

Ortsplan

Wie bereits erwähnt hat Herr Kurt Haese als ehemaliger Beweringer den Grundstein des folgenden Ortsplanes in Form einer Handskizze erstellt. In vielen Einzelgesprächen mit weiteren früheren Einwohnern gelang mir die Beseitigung einiger Unklarheiten, so dass heute ein relativ genauer Ortsplan vorliegt, der die Situation in Beweringen um das Jahr 1940 darstellt.

Dem Plan liegt eine Karte aus dem Jahr 1936 zu Grunde. Obwohl die Aufsiedelung des Gutes beim Druck der Karte bereits vier Jahre zurück liegt, sind die Höfe der Siedler nicht verzeichnet. Diese wurden als blaue Quadrate ergänzt, so dass der Plan den baulichen Zustand Beweringens um 1940 darstellt.

Neben den damaligen Höfen mit ihren Bewohnern sind auch alle bekannten öffentlichen Einrichtungen des Ortes enthalten. Zur leichteren Orientierung sei an dieser Stelle eine kurze Beschreibung der Beschriftungen erwähnt.

Für jedes Haus wird zunächst in Klammern die heutige polnische Hausnummer genannt. Falls das Haus nicht mehr existieren sollte, ist an der Stelle der Hausnummer ein (X) eingetragen. Der Hausnummer folgt der Name des Familienvaters oder dessen Ehefrau, falls der Vater verstorben war. Altbauern sind dabei schwarz eingezeichnet, Siedler blau. Die Grenze zwischen Altbauern und Neubauern befindet sind nördlich der Linie Kirche – Kammrath. Der ursprüngliche Ort liegt südlich dieser Linie und wird im Süden durch die Reichsautobahn begrenzt.

Öffentliche Gebäude und Plätze (z.B. Schule oder Dorfanger) sind grün eingezeichnet. Mit Ausnahme der ehemaligen Feuerwehr besitzen diese Einrichtungen keine Nummer.

Bei einigen Häusern bzw. Bewohnern schließen Kommentare in eckigen Klammern die jeweilige Beschriftung ab.

Restliche Unklarheiten sind in roter Schrift dokumentiert.


Zum Vergrößern auf die Karte klicken

Flucht und Vertreibung

Am 10.02.1945 wurde von der NSDAP der erste Räumungsbefehl gegeben, der zur gleichen Zeit von einer Wehrmachtsdienststelle für nicht notwendig gehalten wurde. Am 03.03.1945 morgens um 2 Uhr wurde nach Dringlichkeit der Lage der entgültige Räumungsbefehl erteilt, der bis zum Mittag durchgeführt wurde. Die folgende Abbildung zeigt den Marschbefehl eines von mindestens drei Beweringer Trecks:

Am 03.03.1945 wurden die einzelnen Trecks in Marsch gesetzt. Der vorgeschriebene Weg ging über Sassenburg, Sassenhagen, Falkenburg, Massow, über die Autobahn bis Stettin, Pasewalk, Anklam, Greifswald, Stralsund, Ratzeburg und Oldeslohe. In der Gemeinde blieben 3 Frauen und 2 Kinder zurück, die nicht räumen wollten. 10 Personen sind zurück gekehrt. 278 gingen auf die Flucht 4 starben 125 kamen in die Westzone 133 in die Ostzone.

Fremde Trecks wurden vor und am 03.03.1945 früh auf den bezeichneten Weg weiter geleitet, so daß kein Treck von feindlichen Truppen überrollt worden ist.

Um den 15.03.1945 herum wurde ein polnischer Bürgermeister eingesetzt und danach die restlichen Deutschen in andere Orte zusammengebracht, wo sie in der Landwirtschaft arbeiten mußten.

Im Kreis Saatzig und der Gemeinde Beweringen fanden heftige Kämpfe zwischen deutschen und russischen Truppen statt. Die deutschen Truppen waren aus allen Formationen gesammelt worden, hauptsächlich SS-Einheiten mit Artillerie, Panzern, Flak und Luftwaffe.

Der Großteil der Kämpfe um Beweringen fand zwischen dem 03.03.1945 nachmittags 13 Uhr und dem 05.03.1945 morgens 5 Uhr statt. Am 05.03.1945 früh um 6 Uhr wurde die Gemeinde von russischen Truppen besetzt.

Bei den Kämpfen wurden folgende Höfe ganz oder teilweise zerstört:

·        am Voßberger Weg:
ehemaliger Gutshof sowie die Gehöfte Hamann, Wetzel, Krüger, Westfahl, Köpp, Pagel, Trettin, Rachut, und Rosenow

·        im Dorf:
die Gehöfte Grunewald, Kraft, Böttcher, Gerhard Utecht und Ernst Manthe

·        am Rossower Weg:
die Gehöfte Godian und Rühlow

Einige Höfe sind nachträglich noch angezündet worden.

Die Flucht aus Beweringen gestaltete sich für alle Einwohner auf unterschiedliche Art und Weise. Meine Großmutter wurde beispielsweise von zwei „Kettenhunden“ – so nannte man den Streifendienst der damaligen Militärpolizei – aufgefordert, sich noch am nächsten Tag bis 6 Uhr morgens ins Dorf zu begeben, um gemeinsam mit weiteren Familien die Flucht anzutreten. Da mein Großvater an der Front war, musste sie nun die Vorbereitungen alle alleine übernehmen. So wurde in der Nacht nur das Allernotwendigste zusammengepackt, da nur ein Leiterwagen zur Verfügung stand, der neben meiner Großmutter mit ihren drei Kindern auch ihrer Schwiegermutter sowie einem Arbeiter des Hofes Platz bieten musste. Dieser Wagen war für die nächsten 45 Tage und Nächte das Zuhause der Familie, bis zu schließlich in Hohenwestedt in Scheswig-Holstein eine neue Heimat finden sollten.

Hermann Scheider, der zusammen mit seiner Familie ebenfalls in Beweringen lebte, schilderte mir sehr eindrucksvoll seine Erinnerungen an die Flucht, die er als Zehnjähriger miterleben musste:

Anfang des Jahres 1945 fasste die Familie Ernst Scheider den Entschluss, die Flucht anzutreten, da sich die militärische Lage zuspitzte. Der damalige Bürgermeister Reinhold Lenz riet allerdings von diesem Vorhaben ab. Obwohl die Kämpfe um Stargard zwischenzeitlich immer heftiger wurden, ließ sich auch der Schwager der Mutter, Rudolf Tesch, nicht aus der Ruhe bringen. Daher wurde die Flucht noch um etwa drei Wochen herausgezögert.

Als nun das Vieh der Bauern aus den Nachbardörfern als sichtbarer Beweis für deren Flucht durch Beweringen nach Rossow getrieben wurde, dachte man erneut über die eigene Zukunft nach. Für den kleinen Hermann war die Tatsache, dass er sich nicht an den Viehtrieben beteiligen durfte, ein Zeichen dafür, dass sich die Lage verschlechterte. Zur Vorbereitung der „Abreise“ wurde nun im gemeinsamen Backofen der Familien Utecht und Grams, der etwas abseits der Dorfstraße auf einem Feld lag, Brot gebacken. Von dort hatte man direkte Sicht auf die damalige Baustelle der Reichsautobahn, deren Unterbau bereits fertiggestellt war. Auf dem Damm konnte man zahlreiche Militärfahrzeuge der russischen Armee erkennen, die scheinbar ziellos hin und her fuhren. Während das Brot noch im Ofen war, nahm die Familie Scheider ihr letztes Mittagessen in der Heimat ein.

Kurz darauf brachen die Familien Tesch und Bürger gemeinsam in Richtung Rossow auf. Nach dem Verlassen der Dorfstraße auf den Rossower Weg versperrte deutsches Militär die Durchfahrt. Daher musste auf den angrenzenden Acker ausgewichen werden. Durch den angetauten Frostboden fuhr sich der Scheider’sche Leiterwagen jedoch derart fest, dass dessen Runge brach. Der herbeigerufene Schmied setzte diese jedoch umgehend in Stand, so dass einer Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Aufgrund der allgemeinen Hektik verlief die Route über die Orte Rossow und Altstadt nahezu im Kreis. Da man als nächstes Uchtenhagen erreichen wollte, musste man die Reichsautobahn kreuzen. Dabei wurde der Treck von russischen Tieffliegern angegriffen. Aus diesem Grunde zog man sich wieder nach Altstadt zurück. Auf diese Weise verlief die Route immer durch Orte, die von den Russen noch nicht in Brand gesetzt worden waren, bis man schließlich Gollnow im Kreis Naugard erreichte. Unterwegs stieß man auf die Familien Rachut, Heller, Bartz, Wellnitz, Kraft und Hamann, die ebenfalls aus Beweringen aufgebrochen waren. Zwei Familienväter, die vom Volkssturm desertiert waren, folgten nur des nachts dem Trecks, da tagsüber das Risiko zu groß war, von der Wehrmacht gefasst zu werden. Der Treckführer Willi Rachut ließ den Treck Tag und Nacht fahren, um möglichst schnell die Oder überqueren zu können und damit aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu entkommen. Im weitern Verlauf des Trecks durch Mecklenburg nach Holstein fuhren die Mütter größtenteils vor, um für die nachfolgenden Familienmitglieder die Mahlzeiten vorbereiten zu können.

Was hat der Rattenfänger von Hameln mit Beweringen zu tun

Der Rattenfänger von Hameln ist eine mittelalterliche Sagengestalt. Der Überlieferung nach erschien im Jahr 1284 ein Mann in Hameln, der sich als Rattenfänger ausgab und den Bürgern, die gerade von einer schrecklichen Rattenplage heimgesucht wurden, versprach, gegen ein entsprechendes Entgelt alle Mäuse und Ratten aus der Stadt zu vertreiben. Mit seiner Pfeife lockte er die Tiere aus den Häusern und zog mit ihnen an die Weser, wo sie ins Wasser stürzten und ertranken.

Befreit von der Plage, weigerten sich die Hamelner Bürger, ihr Versprechen einzulösen und den Rattenfänger zu bezahlen. Deshalb kehrte dieser wenig später verbittert zurück und rächte sich, indem er mit seiner Pfeife 130 Kinder aus der Stadt lockte und für immer mit ihnen verschwand.

Die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln ist in einer Fassung aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erstmals überliefert. Von den Gebrüdern Grimm wurde sie schließlich in die zwischen 1816 und 1818 erschienene Sammlung Deutsche Sagen aufgenommen, was wesentlich zu deren Verbreitung beitrug. Heute ist die Sage in rund 30 Sprachen übersetzt.

Der Rattenfänger von Hameln gehört damit zu den international bekanntesten deutschen Sagengestalten und ist zum Wahrzeichen von Hameln geworden.

"Zu vermelden ist eine ganz ungewöhnliche, seltsame Geschichte, die sich in der Stadt Hameln im Jahre 1284 zugetragen hat." So beginnt die älteste Aufzeichnung über den sagenhaften Rattenfänger und bunten Pfeifer von Hameln, der 130 Kinder entführte, mit ihnen in einem Berg verschwand und die norddeutsche Stadt weltberühmt machte.

Der Göttinger Sprachwissenschafter Prof. Jürgen Udolph, glaubt jetzt, das Rätsel gelöst zu haben. Udolph ist überzeugt: Die Hamelner "Kinder" zogen in die Priegnitz und Uckermark nördlich von Berlin und nach Pommern. Schon vorher hatten Forscher nicht an die Mär von der Entführung unschuldiger Kinder aus Rache für den ausgebliebenen Rattenfängerlohn geglaubt. Die bisher vermuteten Gründe für den Auszug der "Kinder" - in Wirklichkeit junger Erwachsener - reichen von priesterlichen Ritualmorden, einem Kinderkreuzzug über eine Naturkatastrophe bis hin zu kollektiver Tanzwut.

"Am plausibelsten ist die Annahme, dass die Erzählung den Auszug der Jugendlichen aus der Stadt im Rahmen der deutschen Ostkolonisation schildert. Doch wohin führte der Weg?", fragte sich der Wissenschafter.

Die in Göttingen lebenden Brüder Wilhelm und Jacob Grimm wiesen die grobe Richtung: Das Ziel der Auswanderer sei Siebenbürgen gewesen. In einer Dissertation aus dem Jahre 1949 wird Mähren als Zielort angegeben. Auch Udolph war überzeugt, "daß in mancher Überlieferung und Sage ein Körnchen Wahrheit steckt", und machte sich an die Arbeit.

Zuerst prüfte er die bisherigen Theorien und untersuchte in den Zielgebieten hunderte Orts-, Flur- und Personennamen. Dabei fand er heraus, daß kaum Spuren nach Hameln zurückführen. Auch die angeblich guten Beziehungen Hamelns zum Bischof Bruno in Böhmen und Mähren konnte Udolph in das Reich der Sagen verbannen. Der Bischof war bereits drei Jahre vor dem Kinderauszug gestorben.

Dann fand Udolph eine neue Spur. Das Verschwinden der Hamelner fiel genau in die Zeit, als nach der Schlacht von Bornhöved (1227) die dänische Vormachtstellung gebrochen wurde und die Barrieren für die deutsche Ostsiedlung gefallen waren. Eine sorgfältige Analyse der Orts-, Flur- und Personennamen des Weserberglandes und der Vergleich mit den Namen des deutschen Ostens zeigt, dass fast ein Dutzend Namen aus Hameln und dem Weserbergland in der Priegnitz und der Uckermark vorkommen. Die Namen hätten sich zwar nicht immer buchstabengetreu erhalten, sagte Udolph und zählte als Beispiele Beverungen an der Weser, Beveringen bei Pritzwalk und Beweringen bei Stargard in Pommern auf. Dies sei jedoch nicht ungewöhnlich nach über 800 Jahren.

Hilfe bei der weiteren Nachforschung

Da meine Ausführungen zu großen Teilen auf mündlichen Überlieferungen basieren, haben sich evtl. Fehler eingeschlichen. Sollte die Leserin oder der Leser dieser Darstellung von Beweringen Ergänzungen, Korrekturen von Fehlern oder Beiträge in Form von Bildern oder Erzählungen haben, würde ich mich sehr über eine Kontaktaufnahme mit mir freuen. Ich bis insb. sehr an weiteren Informationen zu dem Ortsplan, zu Namen von Personen auf den Schulfotos, zu den Trecks (Anzahl, Route, etc.) und weiteren offiziellen Informationen (z.B: Adressbücher) interessiert. Meine Adresse und Telefonnummer lauten:

Volker Ernst

Berliner Straße 96

42929 Wermelskirchen

Tel.: 02196 / 971834

Literaturverzeichnis

        1.      „Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard“, 1984, Verlag Gerhard Rautenberg – Leer, Paul Schulz (Herausgeber)

        2.      „Reichsautobahn – Schönheit – Natur – Technik, 2001, ARNDT-Verlag – Kiel, Arend Vosselman

        3.      „Pommersche Sippenforschung – Familiengeschichtliche Mitteilungen und Vereinsnachrichten“, 8. Jahrgang, Heft 2, September 1940, Pommerschen Vereinigung für Stamm- und Wappenkunde – Stettin

        4.      „Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher – Band I – Pommern“, 8. Auflage 1928, Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern G.m.b.H. – Leipzig

        5.      „Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher – Band I – Pommern“, 9. Auflage 1939, Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern G.m.b.H. – Leipzig

        6.      „Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern, 2.Theil, Band 1, Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königlichen Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise“, 1784, Stettin, Ludwig Wilhelm Brüggemann