Temnick
Temnick war ein geschlossenes Dorf, ca. 5 km südlich Nörenberg, mit dem Ortsteil
Klein Grünow und den Abbauten Boberowsky und Poraths. Zur Gemeinde gehörte ebenfalls
die in den Nethstubbensee hineinreichende Halbinsel Buchwerder mit einigen Bauernhöfen
und die Försterei Buchwalde, 2 km westlich von Temnick, mit dem Revierförster Förster.
Klein Grünow: 500m vom Dorf entfernter Ortsteil mit 16 Siedlerhöfen, einer Kapelle,
zwei Nebenerwerbssiedlungen mit acht Familien, die auf dem Gut oder im Wald arbeiteten;
durch den kleinen Fluß Ihna vom Dorf getrennt. Klein Grünow wurde 1920 eingemeindet;
vorher war das Dorf eine eigene Gemeinde und wurde vom Gut aus verwaltet. Im Jahr
1939 lebten in 119 Haushalten 467 Einwohner. Während und ein paar Jahre nach dem
1.Weltkrieg war der Bauer Friedrich Schröder Bürgermeister. Bis 1933 folgte Robert
Ladwig, dann Reinhold Kühl. In Temnick gab es eine zweiklassige Volksschule; Lehrer
und Schulleiter war Lehrer Stubbe, der 1939 eingezogen wurde. Letzte Lehrerin in
Vertretung war Frau Lepin. Als im Jahr 1912 die Siedler kamen, wurde die Schule vergrössert.
Temnick hatte eine Wassermühle, die etwa 500 m vom Dorf entfernt lag und von der
Ihna angetrieben wurde; der Besitzer hieß Zastrow. Vor dem l. Weltkrieg bestand noch
eine andere Mühle (Besitzer: Thiede). Bis zum Jahr 1930 gab es die Drechslerei Brett.
An Handwerksbetrieben gab es weiterhin die Schmiede Bock, die Schneiderei Fuhrmann
und die Schuhmacherei Köhntop. Die Poststelle leitete Martha Schuster. Die Gastwirtschaft
mit Kolonialwarenverkauf gehörte Lieschen und Ferdinand Schröder. In Temnick gab
es eine Wiesengenossenschaft zur Reinhaltung der Ihna. Zweimal im Jahr wurden die
Uferwiesen gemäht, wobei alle Bauern beteiligt waren. Es existierte ein Armenhaus
mit zwei Familienzimmern. Der Fleischbeschauer am Ort war Reinhold Fuhrmann.
Angebaut wurden hauptsächlich Kartoffeln, Hafer und Roggen, aber auch Gerste und
Rüben. Mittelböden brachten bei Kartoffeln und Roggen einen guten Erfolg. Es gab
auch moorige und sandige Stellen. Die Fruchtfolge war Kartoffeln mit Stalldung, dann
Hafer oder Gerste, manchmal auch Gemenge, dann folgte zweimal Roggen. In der Tierhaltung
waren Rinder und Schweine vorherrschend. Einige Bauern hielten zusätzlich noch Schafe.
2 km vom Ort entfernt entsprang die Ihna, die durch Temnick floss. An der Ihna lagen
viele Wiesen, von denen jeder Betrieb etwa 10 bis 14 Morgen besaß. Auf diesen Wiesen
wurde geweidet und Heu gemacht. Früher gab es im Dorf einen Kuhhirten, der die Kühe
der Einwohner gemeinsam hütete. Des Nachts hat er das Vieh in die Nähe des Dorfes
getrieben, in die Nachhut. So hieß die Flur auch später noch zur Zeit des l. Weltkrieges
haben Gefangene die Wiesen trockengelegt. Die Ihna wurde ausgebaggert und es wurden
viele Gräben gezogen. Alles wurde mit der Hand gemacht. Um die Jahrhundertwende oder
kurz danach ist das Gut Kl. Grünow abgebrannt. Kinder haben auf dem Heuboden mit
Streichhölzern gespielt. Das Gut wurde nicht wiederaufgebaut. Besitzer zu der Zeit
war Villnow. Es wurde versiedelt und der Rest, ca. 1800 Morgen, des Ackerlandes und
Waldes kam zu Temnick. Besitzer wurde Karl Wiedenroth. Das Restgut mit ca. 550 Morgen
wechselte kurz vor dem Krieg noch den Besitzer. Es wurde übernommen von Richter,
der aus Ziegenberg kam. 1912 bezogen die Siedler ihre Höfe. Sie waren im Schnitt
50—70 Morgen groß, einige kleiner, einzelne auch grösser. 19 Siedlungen waren es
insgesamt. Die Försterei gehörte zur Oberförsterei Jacobshagen. Der Bestand war reiner
Buchenwald. Östlich von Temnick lag die Staatsförsterei Wedelsdorf (Kiefernwald),
diese wurde Truppenübungsplatz.
Der Gutsbesitzer Villnow hatte einst einen Streit mit dem Pastor. Der Pfarrer, der
seine Pfarrstelle in Temnick hatte, zog nach Kremmin. Der Gutsbesitzer baute daraufhin
einen alten Kornspeicher zu einer Kirche um und bestellte den Pastor aus Nörenberg
für die kirchlichen Handlungen. Seit der Zeit gab es zwei Kirchen im Ort. Temnick
gehörte zum Kirchspiel Kremmin, letzter Pastor war Pfarrer Schulz, der im Krieg eingezogen
wurde. Kl. Grünow dagegen gehörte zum Kirchspiel Nörenberg, deren letzter Pastor
Pfarrer Ladwig war. Der Streit ging, soweit man noch weiß, um das Haus, wo später
die Poststelle untergebracht war. Es soll der Kirche gehört haben, und der Gutsbesitzer,
der das Haus beanspruchte, hat dort seinen Brennmeister hineingesetzt, ihm das Haus
später geschenkt und die Post dort eingerichtet. Seit dem Jahr 1493 war Temnick
Pfarrkirche. Es war ein Fachwerkbau mit dreiseitig geschlossener Chorseite aus dem
18. Jahrhundert; der Holzturm mit einer Barockspitze stieg aus dem Dach. Die beiden
älteren Glocken sind 1897 durch Gußstahlglocken aus Bochum ersetzt worden. Im l.
Weltkrieg brannte der Kirchenbau nach einem Blitzschlag nieder. Die Einweihung der
neuen Kirche fand um 1930 statt.