L. W. Brüggemann schreibt 1779:
"Es haben zwar schon alte Schriftsteller das charakteristische in der Denkungs- und
Gemütsart der Pommern zu bestimmen, oder das besondre, was sie von anderen großen Europäischen
Völkerschaften nicht nur, sondern auch von den Einwohnern der übrigen deutschen Provinzen
unterscheidet, ausfindig zu machen gesucht.
Das Gemälde aber, welches sie uns davon hinterlassen haben, drücket so wenig die
Züge unsrer Zeitgenossen aus, als die Abbildung des alten Roms das gegenwärtige vorstellet.
Wenn die Vorfahren schlimme Seiten gehabt haben:so wäre es ein wahres Unglück für
ihre Nachkommen, wenn man annehmen wollte, daß diese auf eine solche Erbschaft nicht
Verzicht thun könnten.
Auch Pommern hat an der Verfeinerung der Sitten, welche dem gegenwärtigen Jahrhunderte
mit Recht beygeleget werden kann, Antheil genommen. Nicht nur Religion, Weltweisheit
und schöne Wissenschaften und der dadurch gebildete Geschmack, sondern auch die ganz neue
Staatswirtschaft und die großen Veränderungen im Kriegswesen mußten nothwendig auf
die Gemüther einen Einfluß haben, und darin ganz andre herrschende Neigungen und
Triebe hervorbringen."
Die herrschende Neigung unserer Vorfahren war die Neigung zum Überleben. Immer und
immer wieder wurde Pommern von fremden Heeren überrannt: Schweden, Dänen, Russen,
Polen, Kaiserliche, Franzosen und wieder Russen - unsere Vorfahren wurden immer wieder
um die Früchte ihrer Arbeit gebracht, indem man sie auspresste, verfolgte und vertrieb.
Die endgültige Vertreibung der pommerschen Leute aus Pommern fand 1945 statt.
Die Vertreibung der Geschichte der Pommern aus unserer Wahrnehmung findet gegenwärtig
statt.