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Konstantinopel



                                                                                                                                            









 











Im Jahr 1910 zählte das Dorf 157 Einwohner. Die Volkszählung von 1939 ergab dann nur noch eine Einwohnerzahl von 129 Einwohnern, die in 35 Haushalten lebten. Letzter Bürgermeister in der Gemeinde war Emil Schwandt. Der Haltepunkt der Saatziger Kleinbahn Kashagen - Kl. Spiegel lag etwas südlich des Dorfes. Am Weg von Jacobshagen nach Butow stand etwa zwei km südwestlich vom Dorf die Försterei Eichhorst. Diese lag am Wald Butower-Holz und gehörte zur Gemeinde Konstantinopel. Über die Entstehung des Dorfnamens gibt es zunächst zwei sagenhafte Vermutungen. Nach der Gründung der Kolonie durch Friedrich den Großen durch die Verordnung vom zwölften September 1753 baten die zwölf Kolonisten ihren Landesvater um Benennung ihres Dorfes. Nach der Unterschrift des ersten Kolonisten, welcher die Bittschrift unterzeichnet hatte und mit Vornamen Constantin hieß, soll Friedrich der Große das Dorf .Constantinopel' genannt haben. Eine recht eigentümliche und wohl falsche Erklärung gibt Berghaus in seinem .Landbuch von Pommern und Rügen' im Jahre 1868: „Was zu dem Namen Constantinopel Anlaß gegeben hat, ist nicht bekannt - vielleicht war es ein augenblicklicher Einfall des Königs, der, den Gewittersturm von 1756 vorhersehend, mit dem Großtürken in Verbindung zu treten beabsichtigen mochte, um von Südosten her eine Division gegen Maria Theresia einzuleiten. Das Nachbardorf Gräbnitzfelde hat seinen Namen nach dem Amtsrat des damaligen Amtes Saatzig Gräbenitz erhalten." Den ersten genaueren Fingerzeig gibt das Buch des Pansiner Pastors Justus Sagebaum vom Jahre 1789 ,Lorbeer- und Cypressen-Baum des Jacobshagenschen Synode: „Es ist zuverlässig, daß Konstantinopel von der geheimen Staatsrätin Catharina, NB. Constantia von Blumenthal, geborene von Woedtcken, ihre Benennung erhalten." Johann Heinrich Gräbenitz, gestorben 1776, führte die Gründung der Kolonie am Dölitz-See durch, und er hat ihr vermutlich nach seiner Nachbarin in dem Schloß Falkenwalde, welche mit Vornamen ,Constantia' hieß, den Namen Konstantinopel zum ewigen Gedächtnis gegeben.

Aus einem Programm des Staatlichen Bismarck-Gymnasiums in Pyritz aus dem Jahr 1897 geht hervor: „Die Benennung der neuen Dörfer hatte der König zunächst der pommerschen Kammer überlassen, nur dabei zu beachten befohlen, „daß je simpler solche Namen seinen, je besser es damit sein wird. Nicht immer ist die Weisung des Königs befolgt, wie z. B. das wunderlich klingende Konstantinopel im Kreis Saatzig zeigt, das aber seinen Namen von einer Gräfin Constantia von Blumenthal haben soll."

Das Dorf wurde im Jahr 1754 in der, nach Brüggemann, königlichen Heide vorgenommenen Rodung angelegt. In dieser Kolonie wurden zwölf Bauernstellen eingerichtetsowie eine Schulmeisterstelle und eine Büdnerstelle. Als Handwerksbetrieb wurde eine Schmiede erstellt. Diese Grundstücke und die dazugehörenden Hirtenhäuser hatten 17 Feuerstellen. Der Acker war zum Teil sehr sandig und grenzte an die Dörfer Gräbnitzfelde, Kremmin und an den königlichen Forst. Es wurden 1084 Morgen Land und Wiesen an die neuen Bauern verteilt. Diese brauchten außer Marsch- und Paßfuhren keine Naturaldienste leisten, wie es in anderen Dörfern des Kreises Saatzig seinerzeit üblich war. Die Einwohner von Konstantinopel gehörten um das Jahr 1760 der Kirchengemeinde Kremmin an, die zu der Jakobshagener Synode gehörte. Im Jahr 1939 lebten 41 Selbständige mit 43 mithelfenden Familienangehörigen und 24 Arbeiter im Dorf. Das Alter der Dorfbewohner im Jahr 1939 war: 26 Kinder bis zu 14 Jahre, 91 Einwohner waren bis 65 Jahre alt und 12 Einwohner waren älter.


Konstantinopel, die Hundstürkei ,             Das Dorf Konstantinopel bei Jacobshagen im Landkreis Saatzig hat schon immer Anlaß zu Witzen und Geschichten gegeben. Doch die witzigste Geschichte schrieb das Leben selbst, und ein leibhaftiger preußischer König spielte dabei eine Rolle. Es war Friedrich Wilhelm IV., der einmal eine Besichtigungsfahrt durch sein Land unternahm. So kam er auch in die Provinz Pommern. Die Kunde von dem hohen Besuch eilte dem Monarchen natürlich immer weit voraus. Alle auf der Reise berührten Ortschaften bereiteten sich entsprechend vor. In den Dörfern wurde der König von den Dorfschulzen begrüsst. Hinter ihm die Bevölkerung. Am Eingang der Städte standen Bürgermeister und Ratsherren. Selbstverständlich hatten auch die Leute in Konstantinopel festliche Vorbereitungen getroffen. Offenbar besonders gut sichtbare, denn der König nahm hier nicht nur beim Durchfahren die Huldigungen entgegen — nein, er ließ halten. Und zwar unmittelbar vor dem Dorfschulzen am Dorfeingang. Das war nun wider die offizielle Mitteilung. Der Schulze und seine Ortsbevölkerung waren baff. Diener und Knicksen. Welche Ehre! Ein Adjutant holte den Dorfschulzen an den Wagenschlag. Leutselig fragte der Monarch, wie denn dieses schön geschmückte Dorf heiße. „Konstantinopel, halten zu Gnaden, Euer Majestät!" Friedrich Wilhelm IV. wunderte sich und vergewisserte sich bei seinem Reisemarschall, ob er sich verhört habe. Nein, mit Konstantinopel habe es schon seine Richtigkeit. Der König wurde neugierig. Er stieg an der dem Schulzen abgewandten Wagenseite aus. Dort stand der Pfarrer mit der singenden Kinderschar. Sie wiederholten den Refrain des eingeübten Liedes endlos, denn sie hatten Anweisung, so lange der König den Ort durchfahre, zu singen. Nun war der König im Dorf geblieben. Also sangen sie. Der König gebot Ruhe und wandte sich an den Pastor. Der amüsierte König fragte den geistlichen Herrn im Scherz, ob sie denn Heiden seien. Der aufgeregt schlotternde Pfarrer verhörte sich. Da er einen hochroten Kopf hatte und ständig seinen Schweiß abwischte, bezog er die Frage auf seine Gesundheit. Nein, er sei nicht leidend, sondern nur von Allerhöchster Anwesenheit überwältigt. Noch immer über sein Dorf mit dem türkischen Namen erheitert, wollte der Monarch vom Küster wissen, wo sich denn das Minarett befinde. Was wußte unser Küster vom Minarett. Nichts, denn das Wort war ihm unbekannt. So fühlte sich der Küster auf Platt angeredet und verstand nur etwas von „Bett". Er deutete auf ein Haus und verbeugte sich. Was interessierte den König nur sein Bett? Der König ging um den Wagen herum und begrüsste nun endlich den Dorfschulzen. Noch immer war der Monarch ganz in seinem türkischen Gedanken befangen. Erst wollte er eigentlich fragen, ob sie denn hier auch einen Harem hätten. Dann fiel ihm aber ein, daß man ihn bisher schon nicht verstanden hatte. Also fragte er nur zwinkernd den Schulzen, ob sie mit dem Ortsnamen auch die Vielweiberei eingeführt hätten. Der Schulze war erst baff. Sagen konnte er nichts. So schüttelte er nur heftig den Kopf. Friedrich Wilhelm klopfte ihm gut gelaunt auf die Schulter und stellte im pommerschen Konstantinopel seine letzte Frage. Na, dann sei ja hier alles in bester Ordnung. Und auf eine Begegnung mit einem wütenden Sultan brauche er sich als christlicher König von Gottes Gnaden wohl nicht zu fürchten? Da strahlte der Dorfschulze über das ganze Gesicht. Nun endlich verstand er seinen König richtig. „Ne, Majestät", sagte er eifrig, „min Sultan häd ne grote Portion krejen. Sultan licht up dem Meß un slöpt!" Nun konnte das Begleitkommando endlich das Lachen nicht mehr anhalten. Die Konstantinopler wußten zwar nicht warum, aber sie lachten mit. Von dieser Zeit an war Konstantinopel die „Hundstürkei" und wird es auch bleiben, solange Pommern leben.


Das Forstamt Eichhorst .           Das Forsthaus wurde im Jahr 1870 gebaut. Es lag idyllisch und friedlich, von einem Blumengarten umgeben, in der Landschaft, umrahmt vom Eichen- und Buchenwald. Für Wanderer des Weges von Jacobshagen nach Butow waren meistens Tische und Stühle zum Ausruhen unter einem schattenspendenden großen Kastanienbaum bereitgestellt. Das Forsthaus war an der Westseite mit Kletterrosen berankt und machte einen freundlichen Eindruck. Zu der Försterei gehörte ein Pferdestall, Kuhstall und ein Schweinestall sowie eine Scheune. Der anschliessende, einen Morgen große Hausgarten war reichlich mit Johannisbeer- und Stachelbeerensträuchern bepflanzt. Auch lieferte der Garten Spargel und Erdbeeren für die Försterfamilie. Als Spalierobst waren Pfirsiche, Aprikosen und Wein an der Südseite des Wirtschaftsgebäudes sorgsam gepflegt. Das in der Nähe gelegene Backhaus war mit Birn- und Apfelbaumspalieren bekleidet.

Die Förster hatten vor dem Ersten Weltkrieg an der Straße nach Butow eine etwa 300 m lange Obstallee gesetzt. Es waren Apfel, Birnen, Pflaumen, Sauer- und Süßkirschenbäume. Die Kirschen fanden in dem nahegelegenen Jacobshagen reißenden Absatz, während Äpfel und Birnen als Versandobst nach Stettin und Berlin gingen. Zur Försterei gehörten 76 Morgen Dienstland, davon waren 25 Morgen Wiesen. Es war guter Mittelboden, der reichliche Erträge brachte, so daß früher ein guter Viehbestand gehalten werden konnte. Nicht nur Hühner sondern auch Tauben waren auf dem Wirtschaftshof und der Förster pflegte auch die Bienenzucht. Im Forstrevier waren gute Eichenbestände vorherrschend, dann folgten Buchen und Fichten und etwas Kiefern; eingesprengt waren Eschen, Ahorn, Weißbuche, Erle und Aspe. Der Forstbelauf des Amtes Eichhorst war 550 ha groß. Die Touristen und Spaziergänger benutzten die Feldwege, auf die man in das romantisch gelegene Ihnatal gelangte. Die Saatziger Kleinbahn durchschnitt den Forst in der, die beiden Haltestellen Ihnatal und Konstantinopel waren. Hier wurde das Holz verladen, welches im Forst geschlagen wurden.

An der Gräbnisfelder Landstraße lag die „Hartmannsche Ziegelei". In dessen Nähe standen die „fünf Buchen". Diese alten Naturdenkmäler waren bereits im Jahr 1912 über 100 Jahre alt. Ob sie bis in unsere Zeiten überlebt haben? Für Wanderer waren im Ihnatal Bänke und Überdachungen zum Ausruhen und Schutz aufgestellt. In der Mitte des Reviers lag eine kleine Försterei. Die beiden ältesten und stärksten Eichen, welche im Jahr 1912 schon auf ein Alter von 800 Jahre geschätzt wurden, standen im Jagen 83. Die beiden alten Zeugen der Vergangenheit werden die Weltkriege nicht überlebt haben. Die Jagdverhältnisse im Revier Eichhorst waren recht günstig, so wurden vor dem ersten Weltkrieg jährlich etwa über 100 Hasen erlegt. Es war ein guter Rehbestand im Revier. Freigegeben wurden ca. vier Böcke jedes Jahr. Das Rotwild passierte im Frühjahr und im Herbst als Wechselwild das Revier.



Etwa vier km östlich von Jacobshagen erhebt sich in hügeligem Gelände das Dorf Konstantinopel. Wer einmal vom Ihnatal des Forstbelaufs Eichhorst auf dem vielbegangenen Fussweg nach Konstantinopel wandert, kann von der Höhe eine prachtvolle Fernsicht geniessen. Berge, Täler, das Tal der .gestohlenen Ihna' mit seinen saftgrünen Wiesenflächen, an derem Rand die Saatziger Kleinbahn ihren Weg nimmt, herrliche Eichen- und Buchenwälder mit einem Tannenschutz am Rand, einzelne Ortschaften und weidende Viehherden gewähren ein echt pommersches Heimatbild. Nähert man sich dem Dorf und wandert auf dem Fußsteig zum Schulhaus, so erblickt man tief zu seinen Füssen den fischreichen Dölitz-See (Größe: 19 ha), welcher von Rohr und Schilf umrandet ist.

Geht man von Norden nach Süden die schnurgerade Dorfstraße entlang, so sieht man zur Linken das Gotteshaus. In der Nähe ist ein Dorf-Ziehbrunnen oder ,Pütt'. Die Häuser, welche teils massiv sind, teils aus Fachwerkbau bestehen, haben große Höfe, geräumige Scheunen und Viehställe. Nach einem Brand am 29. Oktober 1920, welcher sieben Gehöfte fast ganz vernichtete, sind an der Westseite des Dorfes viele Neubauten errichtet worden. Konstantinopel gehörte zum Amtsbezirk Temnick, wo sich auch das Standesamt befand. Das Amtsgericht und die Post standen in Jacobshagen.

Kirche Konstantinopel