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Zehrten

Zehrten, ein Bauerndorf, liegt im östlichen Teil des Kreises Saatzig, ca. 1/2 km östlich der Chaussee von Reetz nach Nörenberg. Von dieser Chaussee aus führt eine Straße durch den Ort und dann weiter in Richtung Wedelsdorf. In einer Länge von knapp einem Kilometer ist die Straße beidseitig bebaut. Außerdem gehörten zu Zehrten die Ausbauten Grützort (3 1/2 km westlich Zehrten) und Ausbau Zehrten (ca. 8 km westlich Zehrten, nahe der Kreisgrenze zum Kreis Dramburg), die Revierförsterei Weißphuhl (Richtung Grassee) mit den Förstern Güntrath und Schulze, sowie das Gehöft Paul Boeck am Weg nach Temnick (etwa 15 km außerhalb Zehrtens). Der Ort gehörte zum Amtsbezirk Rahnwerder.

Das Amtsgericht stand in Nörenberg, das Standesamt in Groß Mellen. Die Eisenbahnstation war im 6,7 km entfernten Butow, aber die Zehrtener benutzten lieber den Bahnhof der Saatziger Kleinbahn in Nörenberg. Der Landwirt Otto Haberland war der letzte Bürgermeister in Zehrten.

Nach der Volkszählung von 1910 hatte die Gemeinde 238 Einwohner. Im Jahr 1939 wurden in 69 Haushalten 269 Einwohner gezählt. Schmiedemeister Hartig betrieb die Schmiede, Stellmacher am Ort war Meister Albrecht.

Als Tischler wirkte Hager, Schneider war Fratzke. Brot wurde im Ort selbst gebacken. Es gab in Zehrten zwei Gemeinschaftsbackhäuser, eines am Ortseingang bei Borks und das andere neben dem Saal von Gastwirt Kurth, wo jeder Brot und Kuchen backen konnte. Daneben hatten einige Bauern selbst Backöfen im Freien: Richard Hager (Redmann), Otto Pust, Otto Stabenow, Erhard Krüger und Helmut Voeske. Südlich des Ortes befindet sich der Zehrtener See mit einer Größe von ca. 300 Morgen. Im See gab es viele Fische, so daß sich das Fischen lohnte. Der größte Teil der Wasserfläche war aber im Laufe der Zeit mit Schilf zugewachsen.

Ein Teil des Sees von ca 30 Morgen gehörte zum alten Drägerschen Hof in Groß Mellen. Dort wuchs prächtiges Schilfrohr. Im Winter, wenn der See zugefroren war und das Eis hielt, wurde das Schilfrohr bei klaren, trockenen Wetter geerntet. Das Rohr wurde in Bündeln eines bestimmten Durchmessers gebunden und zur Pyramide am Ufer zusammengestellt. Später wurden diese Bündel schockweise verkauft. Zum Baden mußte man zum Kremminer See gehen, etwa dort, wo die Ihna in den See einfliesst.

Aus Zehrten ging in der Mitte des Ortes der Feldweg nach Temnick ab, am Ende des Ortes die Straße nach Wedelsdorf und Rahnwerder sowie die Feldwege nach Groß Mellen und Grassee. Am Anfang des Ortes, also nach Westen, die Straße zur Chaussee, die sich kurz hinter der Chaussee teilte und nach Butow und Kremmin ging. Die nächsten Orte an der Chaussee waren nach Süden Groß Silber und nach Norden Temnick. Weitere erwähnenswerten Feldwege: vom Ortseingang in südlicher Richtung zur Chaussee auf halben Wege gab es eine Abzweigung, die um den Zehrtener See herumführte und dann in den Feldweg nach Groß Meilen mündete.

Vom Ortseingang führte ein Weg in nördlicher Richtung an den Grundstücken von Gustav Ladwig und August Dietrich vorbei. Dieser Feldweg teilte sich nach ca. 1/2 km. Einmal in westlicher Richtung über die Chaussee durchs Kirchenland, am Mühlenteich vorbei und dann auf den Weg nach Kremmin .Der andere Weg ging in östlicher Richtung am Friedhof vorbei, überquerte beim Gehöft Paul Boeck den Feldweg nach Temnick, lief dann etwa parallel zum Ort weiter, an der Feldscheune von Wilhelm Hartwig vorbei, knickte nach Süden ab und gelangte am Ortsausgang auf die Straße nach Wedelsdorf. 
Etwa in der Mitte des Ortes steht die evangelische Kirche, ein Findlingsbau aus dem Jahr 1889. Der Kirchturm bestand aus Holz und stand neben dem Kirchengebäude. Vorhanden waren eine große und eine kleine Glocke. Die große wurde im Krieg abgeholt. Ob sie eingeschmolzen wurde, ist nicht bekannt. Pastor Behling war noch für mehrere Gemeinden zuständig. Er wohnte in Groß Mellen. Dorthin gingen auch die Konfirmanden zum Unterricht. Auf dem Boden der Kirche war im Balken eingeschnitzt: Erbaut im Jahre 1888 von Maurermeister Hermann Bretzke (Nörenberg) und Zimmermeister Hermann Gloyer (Reetz). Die Wetterfahne am Kirchturm trug die Jahreszahl 1756. Die Kirche ist heute noch gut erhalten, nur der Turm wurde durch einen einfachen Glockenturm ersetzt. Der Friedhof ist verwildert. Vor der Kirche stand ein aus Naturstein gefertigter Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Namen der Toten waren in den Gedenkstein eingehauen. Er wurde nach dem Krieg von den Polen umgeworfen und auf dem Friedhof vergraben. 

Neben der Kirche befand sich das Schulgebäude. Es bestand aus einem Klassenraum  für ca. 30 Kinder und einer Wohnung für die Lehrerfamilie. Als 1937 Lehrer Büge versetzt wurde und mit seiner Familie von Zehrten fortzog, kam Lehrer Hübner bis zu seiner Einberufung zum Wehrdienst 1940 nach Zehrten. Da Herr Hübner unverheiratet war, wurde die Lehrerwohnung aufgeteilt. Es wohnte noch die Familie des Revierförsters in der Wohnung.

Ab 1940 kamen die Lehrer von Nörenberg. Der Klassenraum wurde auch benutzt für Bibelstunden und Versammlungen. Größere Veranstaltungen fanden im Saal von  Ewald Kurth statt. An der anderen Seite der Kirche befand sich das Kolonialwarengeschäft der Familie Otto Fratzke. Größere Einkäufe machte man in Nörenberg, der nächsten Stadt, etwa 8 km von Zehrten entfernt. Die Fahrt nach Nörenberg machte man entweder mit den Pferdewagen oder mit dem Fahrrad oder aber man ging zu Fuss.

In Nörenberg war auch die nächste Arzt- und Zahnarztpraxis. In Zehrten wohnte aber die Gemeindeschwester - Schwester Elly -, die außer Zehrten auch noch die Nachbarorte zu versorgen hatte. Bei Otto Fratzke befand sich die Poststelle von Zehrten. Der Briefträger kam aber von der Post in Nörenberg, meist mit dem Fahrrad. In Zehrten bestand eine freiwillige Feuerwehr, die ihre Übungen auf dem ehemaligen Gutshof abhielt. Zur Verfügung stand eine Handfeuer- spritze, welche im Feuerwehrhaus, das an der Grenze zwischen der ehemaligen Brennerei  -Besitzer Ernst Schulz - und dem Grundstück von Wilhelm Pust stand, abgestellt war. Oft brauchte die Feuerwehr zum Löschen eines Brandes nicht ausrücken. Erwähnenswert ist das Abbrennen der Scheune von Anton Hell im Jahr 1937. Das jährliche Brandfest wurde am 25. August veranstaltet. Dieses Fest wurde zum Gedenken an den Brand gefeiert, als das Haus der Familie Ladwig (Marquardt) durch Blitzschlag vor vielen Jahren getroffen wurde. Durch plötzlich einsetzenden Regen wurde der Brand aber gelöscht. Jährlich fand auch das Schützenfest des Kriegervereins auf dem Gelände des Gutshofes statt, das durch Preis- und Königsschießen gekrönt wurde. Für die Kinder gab es Vogelschießen und sonstige Spiele. Getanzt wurde ebenfalls auf dem Gutshof.

Bei schlechtem Wetter fand die Tanzveranstaltung im Saal der Gastwirtschaft Kurth statt.




Kirche in Zehrten - Ottfried Stapel